Der Öliverein von 1988 bis heute …
 
Mit den Jahren verblasst vieles. Was einst Zeit, Nerven oder Geld gekostet hat, erscheint im Rückblick als mehr oder weniger lustige Episode. Was gäbe es nicht alles zu berichten – wir halten uns hier kurz.
 
1988 … der Anfang
Am 2. November, einen Monat nach dem grossen Einweihungsfest der restaurierten Grabenöli wird der Öliverein Lüterswil gegründet. Treibende Kraft ist das Quartett, das schon während der Restaurierung und für die Organisation des Einweihungsfestes voll dran gewesen war: Denkmalpfleger Markus Schmid, Zimmermann Hermann Moosmann und die Besitzer der Grabenöli Annette und Urs Schiess-Seifert.
 
1989
Das Jahr der Premieren! Von den ersten Haftpflichtversicherungen (je eine für Besucher und Betrieb) über den ersten Ölibrief bis zum ersten Ölifest, an dem das erste selber gepresste Baum- und Haselnussöl in den Verkauf kommt. Eine wertvolle Hilfe sind bei diesen ersten Versuchen die erfahrenen Betreiber der Ölmühle Mühledorf (Max Lätt) und Böttstein AG (Herr Keller).
 
1990
Im dritten Jahr dreistellig: exakt 100 Mitglieder sind bis zur Jahresversammlung dem Öliverein beigetreten. 150 Liter Baumnussöl und 25 Liter Haselnussöl pressen wir, Versuche mit Ölsaaten wie Lein und Mohn kommen hinzu. Die Fischer des Mühlibachs versuchen den Betrieb zu behindern, weil sie befürchten, ihre Forellen könnten dadurch ins Bernische Ausland vertrieben werden.
 
1991
An Arbeit mangelt es nicht: Die Nussernte im Vorjahr war überdurchschnittlich und es hat sich schon weit herumgesprochen, dass man bei uns gratis feinstes Nussöl pressen lassen kann. Doch es man mangelt an genügend Wasser: Noch im Semptember reicht es nicht zum Ölen. Wir brauchen mehr Helfer und führen einen Ölerkurs durch.

1992
Flaute: Ein Frost im Frühling 91 hat die Nussbäume leergefegt. Andrang: Es fehlt eine WC-Anlage für Besucher. Aber: Rom ist nicht in einem Tag erbaut worden, und erst ein WC! Vorerst gibt das WC viel zu reden – und zu lachen. Das Ölifest geht im Dorf zusammen mit der Brächete über die Bühne, alteingesessene Vereine machen mit, rundum ein Grosserfolg.
 
1993
Extrem trockener Sommer: Wir stellen den Ölibetrieb im Juli und August ein und behalten das von da an so bei. Dank Spenden wird die Reibe fertig restauriert und am 5. Mai eingeweiht, Versuche mit Flachs und Hanf folgen. Neu am Ölifest: Nuss-Schnaps erobert die Kehlen und Köpfe, Öliführungen auf Französisch und Englisch erweitern den Öliwortschatz.
 
1994
Wieder etwas einzuweihen: die WC-Anlage. Endlich! sie gibt weiter zu reden. Das Unisex-Konzept mit WC-Schüssel und Pissoir im gleichen Raum (ohne Trennwand!) eröffnet Perspektiven, mit denen nicht alle gleich leicht zurechtkommen. Neue Spielregeln: Das Pressen ist nur noch für Vereinsmitglieder gratis – 188 sind es inzwischen.
 
1995
Wir pulverisieren die bisherigen Rekorde und verarbeiten glatt eine Tonne zu feinstem Öl: 900 Kilo Baumnuss- und 100 Kilo Haselnusskerne. Ein Büchlein mit Baumnussöl- und Nussmehlrezepten erscheint und findet grossen Anklang. Unsere Sammlung von Öl- und Talglampen erhält in einem Schaukasten ein angemessenes Zuhause.
 
1996
Gästebucheintrag an einem Sommertag: «Gloffe si mer bis zur Öli, d Chüeli i dene Rüüm isch e Wöhli.» Mit Blick auf das nahende zehnjährige Jubiläum beginnt eine Gruppe mit der Arbeit an einer neuen Broschüre zur Grabenöle. Für das Fest im Herbst spannen wir mit dem Trachtenchor Bucheggberg zusammen und kochen zwei Tage lang Risotto.
 
1997
Die Öli ist reif für eine gründliche Revision. Abgenutzte Teile werden ersetzt, die Wellen werden neu justiert und im Wasserkanal ersetzt ein Schieber die Klappe über dem Sturzschacht. Gleichzeitig wird auch der Wohnteil umgestaltet: über dem Wasserrad entsteht eine neue Wohnung, und die alte Wohnung wird um das Tenn erweitert.
 
1998 … 10 Jahre
Pünktlich zum Jubiläum erscheint die neue Broschüre, und die Schallgrenze von 300 Vereinsmitgliedern wird überschritten. Nur die Natur macht nicht ganz mit: Wegen einer bescheidenen Ernte im Vorjahr gibt es nicht viel zu ölen, und wegen Trockenheit ist selbst dieses Wenige oft mühsam. Gross ist hingegen der Besucherandrang.
 
1999
Eine Rekordernte im Herbst 98 fordert uns. Nicht nur am ersten und dritten Wochenende des Monats sind wir Samstag und Sonntag voll dran, zusätzliche Tage unter der Woche werden eingeschaltet. Hinzu kommen Belinda und Lothar: Belinda, das Freilichttheater mit 13 ausverkauften Vorstellungen, Lothar, der Sturm am 26. Dezember.
 
2000
Dank durchschnittlicher Ernte mal ein normales Jahr: Es reicht, wenn wir am ersten Wochenende des Monats ölen. Beliebt wie eh und je ist die Grabenöle als Ausflugsziel, auch unter der Woche sind Führungen gefragt. Historisches am 26. November: In der warmen Stube in der Öli wird «Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde» gegründet.
 
2001
Neue Regelungen werden eingeführt: Pro Person können nur noch maximal 25 Kilo Nusskerne zum Ölen gebracht werden. Für Vereinsmitglieder sind die ersten zehn Kilo gratis, jedes weitere Kilo kostet Fr. 2.–. Nichtmitglieder bezahlen Fr. 6.– pro Kilo. Der erste Schweizer Mühlentag findet statt, am Samstag nach Auffahrt ist er von nun an gesetzt.
 
2002
Ein ganz ausserordentliches Jahr, weil es nichts Ausserordentliches zu vermelden gibt. Nach 15 Jahren hat sich alles allmählich eingespielt, nichtsdestoweniger abwechslungsreich und lebendig. Bestens passt dazu die vollständig überarbeitete Neuauflage des Rezeptbüchleins, das durch einige neue Rezepte von Vereinsmitgliedern erweitert ist.
 
2003
Kaum zu glauben: 1000 Liter Nussöl in einer Saison, 400 Vereinsmitglieder. die morsche und glitschige Brücke zur Öli wird durch eine Eichenholz-Metall-Konstruktion ersetzt. Der Jahrhundertsommer setzt der hölzernen Mechanik zu. Einzelne Zähne und Keile lösen sich, der Schieber zur Regulierung des Wassers verklemmt immer wieder.
 
2004
Im Februar beginnen Revisionsarbeiten. Der Einlaufkanal über dem Wasserrad wird durch einen aus rostfreiem Blech ersetzt; zur Regulierung des Wassers, das auf das Rad fliesst, wird ein selber entwickelter Mechanismus eingebaut. Die Kosten werden je hälftig von Kanton und Öliverein getragen. Das Öli-Brächete-Fest: Gut wie gewohnt.
 
2005
Nächste Premiere: Weil der Schneepflug den Neuschnee in den Wasserkanal gestossen hatte, mussten wir am 17. April schaufeln, bevor das Wasserrad in die Gänge kommen konnte. Im September war wieder Muskelkraft gefragt: Weil mehrere Bretter aus dem Mühlenrad gefallen waren , war eine Not- und vor allem Nassreparatur nötig.
 
2006
In zwei ganz zentralen Bereichen beginnt eine neue Ära: Nach 18 Jahren an der Spitze übergibt Gründungspräsident Hermann Moosmann die Geschäfte an Markus Schmid, und in der Öle wird das Wasserrad durch eines aus Eichen- und Lärchenholz ersetzt. Neben diesen grossen Veränderungen schrumpfen alle anderen Vorfälle zu Kleinigkeiten zusammen.
 
2007
Mit der Eröffnung von Annettes Ölibeiz erhalten die Öliwochenenden eine kulinarische Dimension. Der Pressstock wird saniert; weil es bald einen neuen brauchen wird, kauft der Verein einen dicken Eichenstamm. Hochwasser schwemmt die Bachsohle aus und verschiebt Befestigungssteine – ein weiteres Sanierungsprojekt steht an.
 
2008 … 20 Jahre 
Zwei Tage soll das Fest zum Zwanzigsten dauern, wir legen es auf das Bettagswochenende. Das warme Wetter gibt uns Recht. Zum Glück steht das Festzelt ennet dem Bach auf Berner Boden, denn im Kanton Solothurn darf am Bettag auch dann nicht gefestet werden, wenn ein Erntedankgottesdienst in den Anlass integriert ist.
 
2009
Im Frühling wird endlich der Mühlebach an den kritischen Stellen saniert. Kanton und Gemeinde kommen dafür auf. Im Übrigen ist es ein Jahr zum Verschnaufen: Ohne Pannen, ohne Ölifest und mit eher wenig Nüssen zum Ölen. So bleibt genug Zeit für die Besucher, die an den Öliwochenenden zahlreich vorbeischauen.
 
2010
Zwei runde Zahlen: 500 Mitglieder und 3000 Kilo Nusskerne. Grosse Tiere schauen vorbei: Zwei Kantonsregierungen (SO und BS) und 40 Maultiere (in Begleitung der Schweizer Mulifreunde). Mit «Die Tochter des Müllers» wird nach 1999 und 2008 ein drittes Theaterstück aufgeführt, erneut sind sämtliche Aufführungen ausverkauft.
 
2011
Sehr wenig Regen von Februar bis Juni und auch wieder im September. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Ölen. Zum Glück sind «nur» 1600 Kilo Nusskerne zu verarbeiten. Dreissig Gruppen melden sich für eine Besichtigung ausserhalb der ordentlichen Öliwochenenden an, die Hälfte davon verbindet den Besuch mit einem Apéro.
 
2012
Ausgebucht, heisst es schon im Februar, denn nach reicher Ernte wurden viele Nüsse geknackt. Über 4000 Kilo Kerne verarbeiten wir im Verlauf der Saison. Das Steueramt kommt auf die Idee, bei einem so erfolgreichen Verein müsse etwas zu holen sein. Unser gut begründetes Wiedererwägungsgesuch stellt klar: Dem ist nicht so.

2013
Das Ende einer Aera zeichnet sich ab: Annette und Urs kündigen ihren Umzug nach Solothurn an. Damit der Ölibetrieb mit der Verköstigung von Besuchern und Ölerteam künftig unabhängig von den beiden Wohnungen im Haus laufen kann, wird im ehemaligen Schweinestall eine Küche eingerichtet, klein aber mit allem Nötigen ausgestattet.
 
2014
Am Schweizerischen Mühlentag findet ein Flohmarkt statt. Urs und Annette haben einiges anzubieten, das sich in 33 Jahren im Haus angesammelt hat und in der kleineren Wohnung in der Stadt keinen Platz mehr finden wird. Das Bienenhaus ennet dem Bach wird zu einem Lager (für das Ölimaterial) und Essraum (für das Ölerteam) umgebaut.
 
2015
Neu im Kalender: «Wurstölen» am Bettag. Neu im Angebot: Nussschnaps, hergestellt aus dem Trester, der nach dem Pressen der Kerne anfällt. Damit werden wir der hochprozentigen Bedeutung gerecht, die «ölen» Dialekt auch hat.
Der Eigenbrand wird im Ölerkaffee serviert, doch nie so reichlich, dass jemand mit Öl am Hut heim torkelt.
 
2016
Knack! Ausgerechnet am Mühlentag bricht ein Zahn des Rades am Rührwerk. Ersatz ist rasch hergestellt, doch kurz darauf brechen die nächsten Zähne. Ölen ist nur noch reduziert möglich. Zwei Wochen später läuft alles wieder rund, doch das ändert nichts daran, dass eine gründliche Revision der Ölianlage ins Auge zu fassen ist.
 
2017
Wenig Nüsse und wenig Wasser im Herbst und so läuft der Betrieb auf Sparflamme. Der Verein bereitet sich auf den dreissigsten Geburtstag vor, an dem nicht zuletzt eine lange Festtradition würdig fortzuführen ist. Doch: Wird es überhaupt etwas zu ölen geben? Frost Ende April hat die Nussbäume leergefegt, die Blätter sprossen ein zweites Mal, die Blüten nicht.
 
2018 … 30 Jahre
Die Neueste, schon die dritte Broschüre ist fertig geworden und überzeugt alle! Unsere  Kräfte konzentrieren sich nun auf das grosse Jubiläumsfest im Herbst. Gross und Klein soll Freude daran haben; ein Höhepunkt: Der Sonntag Morgen Talk mit dem Müller Ueli Otti und Sascha Rufer. Rechtzeitig ist auch das Trinkwasser in der Öle wieder trinkbar, nachdem eine besondere Anlage installiert worden ist.
 
2019
Zusätzliche Ölertage müssen eingeplant werden, viele Ölwillige melden sich früh im Jahr und das wenige Wasser zum Ölen muss berücksichtigt werden. Die grosse Revision der Ölieinrichtung steht an, es gibt viel zu ersetzen; Bund, Kanton und Öliverein teilen sich die Kosten. Schweizweit wird ein Müllerkurs entwickelt, der Interessenten fit machen soll, auf alten Anlagen zu «müllern». Der Pilotkurs beginnt im Sommer mit den ersten drei Teilnehmern.
 
2020
Über den Winter wurden die meisten Reparaturen an der Öle ausgeführt. Alle Holzteile werden nun immer mit Wasserstoffperoxyd gewaschen und ein Entfeuchter soll Schimmelbildung verhindern helfen. Was aber nicht gegen den Virus Corona hilft, der für «steriles» sorgt: mit Absperrbändern und Masken. Keine Führungen, eine GV, die nur schriftlich stattfindet.
 
2021
Eine Sitzung im «Zoom»- Modus und mit vielen angemeldeten Nüssen beginnen wir unser Jahr. Der Helferausflug wird coronahalber noch um ein Jahr hinausgeschoben, aber Führungen finden wieder statt und auch die GV im gewohnten Rahmen. Ein erster Öler erhält sein Diplom nach der Teilnahme am Müllerkurs. Unsere Webseite soll auch auf dem Handy abgerufen werden können, also an die Arbeit!